Der Geist des Kurbans und die Ethik des Teilens

FREITAGSPREDIGT

Verehrte Muslime!

 

 

Am kommenden Mittwoch werden wir inschallah das Kurbanfest feiern. Kurban ist nicht bloß das Opfern eines Tieres. Es ist eine Ibâda, ein Ausdruck der Hingabe, Aufrichtigkeit und Verbundenheit mit Allah. Im Koran heißt es: „Allen Völkern gaben wir Opferriten, damit sie Allahs Namen über dem Vieh aussprächen, mit dem wir sie versorgten. Und euer Gott ist ein einziger Gott. Darum seid ihm ergeben! Und verkünde denen frohe Botschaft, die Demut zeigen![1]

 

 

 

Allah teilt uns mit, dass der Sinn des Kurbans Reinheit ist. Entscheidend ist, mit welcher Absicht und mit welchem Bewusstsein wir diese Ibâda verrichten. Deshalb sollten wir beim Opfern unsere Herzen prüfen und unsere Absichten überdenken. Kurban ist ein Erbe des Propheten Ibrahim (a) und Ismail (a). Die Geschichte Ibrahims steht für die Verbundenheit mit Allah. Auch wir sollten beim Opfern diese tiefe Bedeutung bedenken.

 

 

 

Liebe Geschwister!

 

Kurban ist zugleich eines der schönsten Zeugnisse des Teilens und der Geschwisterlichkeit. Wer das Fleisch des Opfertieres mit Bedürftigen teilt, stärkt den Zusammenhalt in der Gesellschaft und baut Brücken zwischen den Herzen der Menschen. Heute kämpfen Menschen in vielen Teilen der Welt mit Hunger, Krieg und Armut. Das Kurban ruft uns diese Wirklichkeit in Erinnerung. Wir dürfen nicht vergessen, dass alles, was wir besitzen, uns anvertraut ist, und wir den Kummer bedürftiger Menschen im Herzen fühlen sollten. Allah spricht: „Menschen, die von ihrem Besitz bei Nacht und am Tage, im Verborgenen und öffentlich spenden, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn; keine Furcht soll über sie kommen, und sie sollen nicht traurig sein.[2]

 

 

 

Die Ethik des Teilens gehört zu den Grundwerten des Islams. Ein Gläubiger ist jemand, der nicht satt schlafen geht, solange sein Nachbar hungert. Waisenkinder zu schützen, den Armen nicht aus dem Blick zu verlieren, dem Bedrängten die Hand zu reichen – das sind Eigenschaften eines wahren Gläubigen. Wer einem Bedürftigen ein Lächeln schenkt oder wer das Duâ eines Waisenkindes empfängt, dem öffnet Allah die Tore des Paradieses. Unser Prophet (s) hat verkündet: Wer einen Hungrigen speist, wer einem Durstigen den Durst stillt, wer einen Menschen bekleidet, der Kleidung benötigt, den wird Allah belohnen.[3]

 

 

 

Das Kurbanfest ist ein Anlass, damit wir Muslime uns und unsere Gesellschaft an wichtige Werte erinnern und diese in unserem Leben umsetzen. Unsere Ibâdas sollten wir nicht verrichten, um gesehen zu werden, sondern einzig und allein für Allah. Das ist Aufrichtigkeit. Vergessen wir nicht: Was vor Allah Wert besitzt, ist nicht die Größe oder Sichtbarkeit einer Tat, sondern ihre Beständigkeit und die Reinheit, mit der sie ausgeführt wird.

 

 

 

Liebe Geschwister!

 

Die humanitäre Hilfsorganisation Hasene leistet seit Jahren weltweite, humanitäre Hilfe und organisiert die Verteilung der Opfertiere. Auch dieses Jahr verteilt Hasene die Opfergaben in alle Teile der Welt. Beteiligen wir uns an dieser wertvollen und gesegneten Arbeit mit unseren Kurban-Spenden. O Allah! Lass uns zu jenen gehören, die das Bewusstsein des Kurban Opfers erlangen und die Ethik des Teilens verwirklichen.

 

 

 

Und zur Erinnerung, liebe Geschwister!

 

Der Dienstag vor dem Fest ist der Tag von Arafa, also der 9. Zulhidscha. An diesem Tag versammeln sich alle Pilger auf dem Berg Arafat. Sie denken über ihr bisheriges Leben nach und bekommen einen Vorgeschmack auf den Tag des Jüngsten Gerichts. Reue wird sich in Duâ und Umkehr verwandeln. Möge Allah den Hadsch all unserer Geschwister annehmen und auch unsere Gebete und unsere Tawba zu denen auf Arafat zählen.

 

 

 

Vergessen wir währenddessen nicht die Taschrîk-Takbîre zu sprechen. Ab dem Morgengebet des Tages von Arafa bis zum Nachmittagsgebet des vierten Festtages wird nach jedem Farz-Gebet einmal gesprochen: „Allâhu akbar, Allâhu akbar, lâ ilâha illallâhu wallâhu akbar. Allâhu akbar wa lillâhil hamd.“ Dies nennt man den Taschrîk-Takbîr. Ob man allein betet oder hinter dem Imam, ob auf Reisen oder zu Hause, ob Mann oder Frau – jeder soll den Taschrîk-Takbîr sprechen. Lasst uns das Fest mit Freude empfangen und mit Freude begehen. Âmîn.

 

[1] Sure Hadsch, 22:34

 

[2] Sure Bakara, 2: 274

 

[3] Tirmizî, Kiyâma, 18

 

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